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25.5.18 - 12:29 Von Weiss e-mail @ Autor

Pflege-WG für jüngere Menschen mit Unterstützungsbedarf

GEBAG und Caritas starten Pilot-Projekt: hochgeladenes Bild

Nicht fit genug für die eigene Wohnung, aber zu jung für ein Altenheim? Für pflegebedürftige Betroffene und ihre Angehörigen ist das ein echtes Dilemma! In der Hermannstr. in Marxloh wird jedoch gerade an einer Lösung gewerkelt…

… und der gut gelaunte Handwerker unterbricht bereitwillig seine Arbeit, um gemeinsam mit den beteiligten Protagonisten* für das erste offizielle Foto zu posieren. Doch der Reihe nach:
Das bereits seit Jahren bewährte Kooperationsteam GEBAG und Caritas hat sich einmal mehr zusammengetan und ein Angebot kreiert, das auf große Nachfrage stößt. „Das stellen wir fest, wo immer wir über unser Projekt berichten“, erzählt Orla-Maria Wunderlich von der Caritas. Sabine Störch, Leiterin Bestandsbewirtschaftung der GEBAG, berichtet wie alles begann:

„Neben unserer Seniorenwohnanlage in der Hermannstraße hat die evangelische Kirchengemeinde das Begegnungs- und Beratungszentrum aufgegeben. Die leeren Räume waren schon sehr speziell und für den Umbau in mehrere Wohnungen einfach nicht geeignet. Aber von Anfang an waren sie von der Lage und Aufteilung her ideal für eine Wohngemeinschaft. Und da wir schon seit Jahren gut und eng mit der Caritas zusammen arbeiten, lag die Idee einer Pflege-WG schnell auf der Hand.“

Das Prinzip Pflege-WG
„Unsere erste gemeinsame Pflege-WG ist durchaus mit einer herkömmlichen Wohngemeinschaft vergleichbar“, erläutert Caritasfrau Orla-Maria Wunderlich. „Menschen leben zusammen, stemmen ihren Alltag gemeinsam, teilen Freude und Leid und natürlich auch die Kosten“. Für die Mieter dieser unserer „Anbieterverantworteten Wohngemeinschaft“ ist es jedoch die Unterstützung durch die Caritas, die letztendlich den Ausschlag gibt“.

So unterstützt z.B. eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin bei der wöchentlichen Grundreinigung der Wohnung, wobei die Bäder zwei Mal pro Woche geputzt werden. Darüber hinaus entscheiden die Mieter selbst, wofür sie das verbleibende Stundenkontingent einsetzen wollen.

Außerdem steht eine Koordinatorin zur Verfügung, die mit der Wohngemeinschaft eine für alle verbindliche „Gemeinschaftsordnung“ entwickelt, gemeinsame Unternehmungen plant und begleitet sowie Hilfe bei Arztbesuchen und Behördengängen vermittelt.

„Das ist die Zukunft!“
Die Caritasfrau betont jedoch den wohl wichtigsten Aspekt dieser ganz besonderen WG – den Einsatz des ambulanten Pflegedienstes:
„Die Bewohner werden ihren individuellen Bedarfen entsprechend in ihrem Zuhause gepflegt und nicht etwa in einer stationären Einrichtung. Für die Lebensqualität unserer Mieter spielt dieser Unterschied eine ganz große Rolle!“

Das kann Olaf Gärtner nur bestätigen - er hat als erster Mieter den Vertrag unterschrieben: „Ich in einem Heim? Unvorstellbar! Hier gefällt es mir viel besser.“ Und darauf freut er sich am meisten: „Dass man nicht mehr alleine in seiner Wohnung rumhängt.“
Auch sein Stiefvater Ernst Küsters ist beruhigt, dass Olaf nun gut untergebracht ist und denkt gleich einen Schritt weiter. „Ich bin fast 70 und wenn sich mir einmal die Frage nach Heim oder WG stellt, würde ich mich auch für die Wohngemeinschaft entscheiden. Das ist die Zukunft!“

Genau deshalb zündete die Idee wohl so schnell, als das passende Objekt gefunden war: Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es 11 Monate, Umbau und Renovierung erfolg(t)en planmäßig, so dass Olaf Gärtner bereits im Juni einziehen kann.

Und so funktioniert die Pflege-WG
In der Pflege-WG können fünf Menschen mit einer körperlichen Behinderung bzw. Erkrankung leben.
„Eine umfassende Tagesgestaltung oder Grundversorgung wie z.B. in einem Altenheim wird es hier naturgemäß nicht geben, aber genau so ist es auch erwünscht“, betont Orla-Maria Wunderlich. „Hier geht es schließlich um das Wohnen in einer kleinen Gemeinschaft - jenseits institutioneller Regularien, aber zuzüglich einer ambulanten Versorgung durch Mitarbeiter, die stundenweise anwesend sind. Ein Notrufsystem sorgt für zusätzliche Sicherheit.“

Eigene Leistungen bzw. die der Angehörigen sind - wie überall im häuslichen Bereich - unverzichtbar. Die Betreuung von Schwerstpflegefällen, Menschen mit Demenz oder psychischer Erkrankung, ist in dieser Pflege-WG allerdings nicht vorgesehen und könnte in diesem Rahmen auch nicht geleistet werden.

„Der Schwerpunkt des Konzeptes liegt schließlich auf dem gemeinschaftlichen Wohnen und nicht auf der Pflege“, betont Sabine Störch und zählt die Vorzüge auf:

„Jeder Mieter erhält ein Einzelzimmer; eigener Briefkasten, eigene Klingel sowie eigener TV- und W-Lan-Anschluss inklusive. Jeweils zwei Parteien teilen sich ein barrierefreies Badezimmer. Ein Zimmer verfügt über ein separates barrierefreies Bad. Darüber hinaus gibt es eine Gemeinschaftsküche, einen großen Gemeinschaftsraum sowie einen schönen Garten mit Grill und als besonderes Highlight:
eine Bushaltestelle direkt vor der Haustür!“

Fazit: Diese Wohnform stellt eine Win-win-Situation für alle Beteiligten dar und ist zur Nachahmung durchaus geeignet. Die Nachfrage ist schließlich da!


Info:
Geringe Kosten für die Mieter
Jeder Mieter zahlt für sein separates Zimmer sowie anteilig für die Flächen der Gemeinschaftsräume eine Grundmiete in Höhe von 5,25 €/m² zzgl. Nebenkosten. Darüber hinaus erhebt der Caritasverband eine Pauschale für die hauswirtschaftliche Unterstützung.

Auch die Einsätze der Koordinatorin werden pauschal verrechnet, wobei die Leistungen nach § 38 a SGB XI (Pflegegesetz) eingesetzt werden können. Unabhängig davon rechnet der Anbieter die Pflegekosten direkt mit der Pflegeversicherung ab. Die Haushaltskosten inklusive der Reparaturkostenpauschale und des Notrufsystems werden auf alle Mieter umgelegt.

Die Mieter richten ihre Zimmer mit eigenen Möbeln ein, der Gemeinschaftsraum wird gemeinsam gestaltet. Die GEBAG stellt die Küchenzeile sowie Waschmaschine und Trockner.


Kontakt:
GEBAG: Sabine Störch
0203 6004-148
sabine.stoerch@gebag.de

Caritas: Orla-Maria Wunderlich
0172 240 68 29
omw@caritas-duisburg.de

Foto
„Tatort“ Pflege-WG:
*Orla-Maria Wunderlich/Caritas, Sabine Störch/GEBAG, Handwerker Klügling/Fa. Dietrich, Mieter Olaf Gärtner mit Stiefvater Ernst Küsters sowie Janina Meißner/GEBAG freuen sich über das Pilot-Projekt, das eine Lücke in der Duisburger Wohnlandschaft schließt.



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