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Häufige Fragen

ccc


Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Aufarbeitung von sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“.

Allgemeine Fragen

Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Aufarbeitung?
Die Untersuchungen zum ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“ beziehen sich auf den Zeitraum 1946 - 1983.

Was ist das Ziel der Aufarbeitung?
  • Die Caritas Duisburg will mit ihrer Aufarbeitung das erlittene Unrecht sichtbar machen, das Leid der Betroffenen anerkennen, ihnen Raum und Gehör verschaffen sowie ihre Perspektive verbindlich in den Aufarbeitungsprozess einbinden.
  • Dabei stellt sich die Caritas Duisburg ihrer Verantwortung für das Geschehene. Dies schließt ausdrücklich auch das eigene Verhalten ein, insbesondere dann, wenn ein mögliches Fehlverhalten oder institutionelle Versäumnisse zu benennen und Konsequenzen für die Zukunft abzuleiten sind.

Wann hat die Caritas Duisburg zum ersten Mal von Hinweisen auf sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt im ehemaligen Kinderdorf erfahren und warum wurde nicht früher gehandelt?
  • Hinweise auf mögliche Fälle von Gewalt im Zusammenhang mit dem ehemaligen Kinderdorf liegen der Caritas Duisburg seit mehreren Jahren vor. Betroffene haben sich wiederholt mit ihren Erfahrungen an unterschiedliche Stellen gewandt und damit wesentlich dazu beigetragen, dass das Thema heute aufgearbeitet wird.
  • Dass seitens der Caritas Duisburg über mehrere Jahre eine strukturierte, transparente und konsequent betroffenenorientierte Aufarbeitung ausblieb, sieht die heutige Leitung der Caritas Duisburg als ein Versäumnis, das es offen zu benennen und kritisch aufzuarbeiten gilt.

Wer führt die Untersuchungen durch und wie wird deren Unabhängigkeit sichergestellt?
Die Aufarbeitung umfasst mehrere unabhängige Untersuchungen:
  • Die historische Archivrecherche zur Geschichte des ehemaligen Kinderdorfs wird von Herrn Prof. Dr. Andreas Henkelmann (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Paderborn) durchgeführt.
  • Die Interviewstudie mit Betroffenen, Angehörigen und ehemaligen Mitarbeitenden wird von Frau Prof. Dr. Manuela Dudeck, Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm, und ihrem Team durchgeführt.
  • Die Durchführung und Auswertung beider Untersuchungen erfolgt unabhängig und nach wissenschaftlichen Standards, die Ergebnisse werden in einem Abschlussbericht veröffentlicht.
  • Darüber hinaus wird der Aufarbeitungsprozess „Maria in der Drucht“ (2021 bis 2025) von der Kölner Rechtsanwältin und Mediatorin Frau Dr. Bettina Janssen analysiert.

Betroffene

Warum hat damals niemand eingegriffen? / Wer wusste von den Vorfällen?
  • Viele Betroffene fragen sich seit Jahrzehnten, warum niemand eingegriffen hat und wer von der Gewalt wusste. Dass diese Fragen bis heute offen sind, kann sehr belastend sein.
  • Die wissenschaftlichen Untersuchungen sollen dazu beitragen, besser zu verstehen, welche Strukturen, Verantwortlichkeiten und Versäumnisse Gewalt ermöglicht oder nicht verhindert haben.
  • Solange die Untersuchungen laufen, können wir einzelnen Vorfällen oder Verantwortlichkeiten nicht vorgreifen.

Gibt es meine Heimakte noch? Warum (nicht)?
  • Viele Betroffene hoffen, über Heimakten Informationen über ihre eigene Geschichte zu erhalten.
  • Für das ehemalige Kinderdorf "Maria in der Drucht" liegen uns derzeit keine Heimakten vor. Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine entsprechenden Unterlagen erhalten geblieben oder auffindbar.
  • Die Gründe hierfür sind vielfältig. Dazu zählen unterschiedliche Dokumentations- und Ablagestrukturen über die Jahrzehnte hinweg oder Veränderungen organisatorischer Zuständigkeiten. Zudem wurden Unterlagen in früheren Jahrzehnten teilweise nach den damals geltenden Aufbewahrungsregelungen vernichtet oder an andere Stellen abgegeben. Hinzu kommt, dass über die Vernichtung, Abgabe oder den Verbleib von Aktenbeständen nicht immer Protokolle oder sonstige Nachweise geführt wurden, sodass sich heute häufig nicht mehr nachvollziehen lässt, was mit einzelnen Unterlagen geschehen ist.
  • Wir wissen, wie wichtig diese Unterlagen für viele ehemalige Heimkinder sind. Sollten sich neue Hinweise auf vorhandene Unterlagen oder weitere Aktenbestände ergeben, werden wir diesen selbstverständlich nachgehen.

Habe ich die Möglichkeit, meine Geschichte einzubringen? Besteht diese Möglichkeit auch nach Abschluss der Interviewphase?
  • Die Interviewphase der Studie für das ehemalige Kinderdorf „Maria in der Drucht“ wurde im April 2026 abgeschlossen. Aktuell werden die Interviews wissenschaftlich ausgewertet.
  • Betroffene, ihre Angehörigen sowie ehemalige Mitarbeitende, die ihre Geschichte auch nach Abschluss der Interviewphase noch einbringen oder ihre Erfahrungen teilen möchten, können sich weiterhin an die zuständigen unabhängigen Ansprechpersonen des DiCV Essen wenden. Informationen zu den unabhängigen Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier:
    https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention 

Wo kann ich einen Antrag auf Anerkennung des Leids stellen?
Ein Antrag auf Anerkennung des Leids kann bei den beauftragten Ansprechpersonen im DiCV Essen gestellt werden:
https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention#kontaktundhilfe


Gibt es Unterstützungsangebote, wenn mich die Aufarbeitung erneut belastet?
  • Gespräche über erlebte Gewalt oder Erinnerungen an die Zeit im Heim können belastend sein. Sie müssen damit nicht allein bleiben.
  • Betroffene können psychologische, psychosoziale oder seelsorgliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Auf Wunsch vermitteln wir geeignete Ansprechstellen und Hilfsangebote.
  • Informationen zu Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf folgender Website:
    https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention#kontaktundhilfe

Was passiert, wenn ich mich für die Interviewstudie melde?
  • Nach einer Kontaktaufnahme erhalten interessierte Personen ausführliche Informationen zum Ablauf des Interviews, zu Datenschutz und zur Vertraulichkeit.
  • Die Teilnahme an der Interviewstudie ist freiwillig. Es besteht auch nach einem Informationsgespräch keinerlei Verpflichtung, an einem Interview teilzunehmen.
  • Die Aussagen werden dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet. Sie werden ausschließlich im Rahmen der Aufarbeitung verwendet. In Veröffentlichungen werden keine Namen genannt und keine Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglicht.
  • Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie ist für Herbst 2026 geplant.

Wer wird das Gespräch mit mir führen?
  • Die Interviews werden von zwei Projektmitarbeitenden aus dem Team von Frau Prof. Dr. Manuela Dudeck geführt.
  • Vor dem Gespräch erhalten Sie Informationen darüber, wer das Interview mit Ihnen führen wird.

Welche Themen werden in den Interviews angesprochen?
    Das Interview orientiert sich an den folgenden Themen:
  • Wie kam es zur Gewalt?
  • Welche Folgen hatte die Gewalt für Betroffene?
  • Wussten andere von der Gewalt? Wie haben sie reagiert?
  • Kann etwas wiedergutgemacht werden?
  • Wie sollte an das Geschehene erinnert werden?
  • Was sollte künftig in Kinderheimen anders gemacht werden?
  • Die Interviews folgen einem Leitfaden. Gleichzeitig besteht jederzeit Raum für eigene Themen und persönliche Schwerpunkte.

Wird das Gespräch aufgezeichnet?
  • Das Interview wird digital aufgezeichnet (nur Ton, kein Bild).
  • Im Anschluss wird das Gespräch verschriftlicht und anonymisiert. Anonymisieren bedeutet, dass jegliche Namen von Personen oder Orten, über die im Interview gesprochen wurde, durch ein X ersetzt werden. So ist kein Rückschluss mehr auf die Identität der Interviewteilnehmenden oder weiterer Personen möglich.
  • Sie sind nicht verpflichtet, der Aufnahme zuzustimmen. Sollten Sie einer Aufzeichnung nicht zustimmen, wird das Gespräch im Anschluss mit einer Gesprächsnotiz dokumentiert. Darüber hinaus haben Sie jederzeit die Möglichkeit, Ihrer Einwilligung zu widersprechen.


Zeitzeug*innen

Wie kann ich Hinweise geben? Geht das auch anonym?
  • Betroffene, ihre Angehörigen sowie ehemalige Mitarbeitende, die ihre Geschichte einbringen oder ihre Erfahrungen teilen möchten, können sich an die zuständigen unabhängigen Ansprechpersonen des DiCV Essen wenden.
  • Informationen zu den unabhängigen Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier:
    https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention 

Was passiert, wenn ich damals etwas beobachtet, aber nicht gemeldet habe?
  • Ziel der Aufarbeitung ist es nicht, einzelne Personen pauschal zu verurteilen. Vielmehr soll nachvollzogen werden, welche Strukturen und Umgangsweisen Gewalt ermöglicht oder nicht verhindert haben.
  • Viele Menschen erinnern sich unterschiedlich an diese Zeit oder fragen sich bis heute, wie mit bestimmten Situationen umgegangen wurde. Hinweise, Beobachtungen und persönliche Erinnerungen können dazu beitragen, die damaligen Geschehnisse besser zu verstehen und aufzuarbeiten.

Ich erinnere meine Zeit im Kinderdorf positiv. Wird das berücksichtigt?
  • Im Rahmen der Aufarbeitung melden sich Menschen mit sehr unterschiedlichen Erinnerungen und Erfahrungen.
  • Diese unterschiedlichen Perspektiven werden im wissenschaftlichen Prozess berücksichtigt und fachlich eingeordnet. Im Zentrum der Aufarbeitung stehen jedoch die Erfahrungen der Betroffenen von Gewalt und das Ziel, ihr Leid anzuerkennen und sichtbar zu machen.

Presse

Welche Verantwortung übernimmt die Caritas Duisburg heute? Wo endet diese?
  • Die Caritas Duisburg übernimmt die institutionelle Verantwortung für das, was in ihrem Verantwortungsbereich geschehen ist.
  • Verantwortung heißt für uns, Transparenz über Geschehenes und über das damalige Handeln der Caritas Duisburg herzustellen, Leid anzuerkennen, aus Fehlern zu lernen und daraus Konsequenzen zu ziehen – im Dialog mit Betroffenen und in Kooperation mit zuständigen Stellen. Dazu gehört auch, bestehende Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen weiterzuentwickeln.
  • Grenzen zeigen sich dort, wo unsere Zuständigkeiten enden, Quellen nicht zugänglich sind oder belastbare Erkenntnisse nicht gewonnen werden können.

Viele Betroffene wünschen sich eine Gedenkstätte oder eine Erinnerungstafel. Gibt es dazu Pläne?
  • Im März 2026 wurde als erster Schritt der Erinnerung eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen Kinderdorfs „Maria in der Drucht“ aufgestellt. Standort und Text wurden gemeinsam mit Betroffenen entwickelt.
  • Nach Abschluss des Aufarbeitungsprozesses werden weitere Formen des Erinnerns gemeinsam mit Betroffenen geprüft.

Was passiert bei möglichen strafrechtlich relevanten Sachverhalten?
  • Sollten sich im Rahmen der Aufarbeitung Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben, werden diese an die zuständigen Ermittlungsbehörden weitergeleitet.
  • Dabei handeln wir konsequent nach den gesetzlichen Vorgaben und unseren verbindlichen Verfahren.


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