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Häufige Fragen

ccc


Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Aufarbeitung von sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“.

Allgemeine Fragen

Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Aufarbeitung?

Die Untersuchungen zum ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“ beziehen sich auf den Zeitraum 1946 - 1983.


Was ist das Ziel der Aufarbeitung?
  • Die Caritas Duisburg will mit ihrer Aufarbeitung das erlittene Unrecht sichtbar machen, das Leid der Betroffenen anerkennen, ihnen Raum und Gehör verschaffen sowie ihre Perspektive verbindlich in den Aufarbeitungsprozess einbinden.
  • Dabei stellt sich die Caritas Duisburg ihrer Verantwortung für das Geschehene. Dies schließt ausdrücklich auch das eigene Verhalten ein, insbesondere dann, wenn ein mögliches Fehlverhalten oder institutionelle Versäumnisse zu benennen und Konsequenzen für die Zukunft abzuleiten sind.

Wann hat die Caritas Duisburg zum ersten Mal von Hinweisen auf sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt im ehemaligen Kinderdorf erfahren und warum wurde nicht früher gehandelt?
  • Die Caritas Duisburg war nach den Feststellungen des Aufarbeitungsberichts spätestens seit einem Zeitungsbericht im Jahr 2009 mit Hinweisen auf Gewalt- und Unrechtserfahrungen ehemaliger Bewohner*innen konfrontiert. Aus den ausgewerteten Unterlagen ergibt sich, dass der Verband die jeweiligen Vorgänge, in denen Hinweise bekannt wurden, verwaltungsmäßig als Einzelfälle erfasste und bearbeitete. Eine fallübergreifende Prüfung der zugrunde liegenden Gewaltvorwürfe ist nicht zu erkennen. Die Fälle wurden weder zu einem Lagebild verbunden noch als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der Gewaltgeschichte des Kinderdorfes genutzt.
  • Besonders schwer wiegt, dass der Verband 2019 vom Bistum über sechs bekannte Fälle und über den dringenden Aufarbeitungsbedarf informiert wurde, ohne anschließend die notwendigen konkreten Schritte einzuleiten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte eine systematische und unabhängige Aufarbeitung beginnen müssen. Dass dies nicht geschah, war ein schwerer Fehler, für den die Caritas Duisburg die Verantwortung trägt. Erst Anfang 2023 entwickelte sich ein kontinuierlicher Aufarbeitungsprozess, der im Frühjahr 2025 neu ausgerichtet wurde.

Wer hat die Untersuchungen durchgeführt und wie wurde deren Unabhängigkeit sichergestellt?

Die Aufarbeitung umfasst mehrere unabhängige Untersuchungen:

  • Die historische Archivrecherche zur Geschichte des ehemaligen Kinderdorfs wurde von Herrn Prof. Dr. Andreas Henkelmann (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Paderborn) durchgeführt.
  • Die Interviewstudie mit Betroffenen, Angehörigen und ehemaligen Mitarbeitenden wurde von Frau Prof. Dr. Manuela Dudeck, Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm, und ihrem Team durchgeführt.
  • Die Durchführung und Auswertung beider Untersuchungen erfolgte unabhängig und nach wissenschaftlichen Standards, die Ergebnisse wurden in einem gemeinsamen Aufarbeitungsbericht veröffentlicht.
  • Darüber hinaus wurde die Aufarbeitung der Caritas Duisburg im Schwerpunktzeitraum 2021 bis 2025 von der Kölner Rechtsanwältin und Mediatorin Frau Dr. Bettina Janssen analysiert.

Betroffene


Gibt es noch Heimakten von Betroffenen? Warum (nicht)?
  • Viele Betroffene hoffen, über Heimakten Informationen über ihre eigene Geschichte zu erhalten.
  • Für das ehemalige Kinderdorf "Maria in der Drucht" liegen uns derzeit keine Heimakten vor. Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine entsprechenden Unterlagen erhalten geblieben oder auffindbar.
  • Die Gründe hierfür sind vielfältig. Dazu zählen unterschiedliche Dokumentations- und Ablagestrukturen über die Jahrzehnte hinweg oder Veränderungen organisatorischer Zuständigkeiten. Zudem wurden Unterlagen in früheren Jahrzehnten teilweise nach den damals geltenden Aufbewahrungsregelungen vernichtet oder an andere Stellen abgegeben. Hinzu kommt, dass über die Vernichtung, Abgabe oder den Verbleib von Aktenbeständen nicht immer Protokolle oder sonstige Nachweise geführt wurden, sodass sich heute häufig nicht mehr nachvollziehen lässt, was mit einzelnen Unterlagen geschehen ist.
  • Wir wissen, wie wichtig diese Unterlagen für viele ehemalige Heimkinder sind. Sollten sich neue Hinweise auf vorhandene Unterlagen oder weitere Aktenbestände ergeben, werden wir diesen selbstverständlich nachgehen.

Haben Betroffene auch nach der Veröffentlichung des Aufarbeitungsberichts die Möglichkeit, ihre Geschichte einzubringen?
  • Ja. Betroffene, ihre Angehörigen sowie ehemalige Mitarbeitende, die ihre Geschichte auch nach Abschluss der Untersuchungen noch einbringen oder ihre Erfahrungen teilen möchten, können sich an die allgemeine Kontaktstelle für Aufarbeitung bei der Caritas Duisburg wenden.
  • Im Zusammenhang mit einem Antrag auf Anerkennung des Leids können sich Betroffene außerdem weiterhin an die zuständigen unabhängigen Ansprechpersonen des DiCV Essen wenden. Informationen zu den unabhängigen Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden sich hier.

Wo können Betroffene einen Antrag auf Anerkennung des Leids stellen?

Ein Antrag auf Anerkennung des Leids kann bei den beauftragten Ansprechpersonen im DiCV Essen gestellt werden:
https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention#kontaktundhilfe



Gibt es Unterstützungsangebote, wenn die Aufarbeitung Betroffene erneut belastet?

  • Gespräche über erlebte Gewalt oder Erinnerungen an die Zeit im Heim können belastend sein. Betroffene müssen damit nicht allein bleiben.
  • Betroffene können psychologische, psychosoziale oder seelsorgliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Auf Wunsch können geeignete Ansprechstellen und Hilfsangebote vermittelt werden.
  • Informationen zu Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf folgender Website:
    https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention#kontaktundhilfe

 

 

Zeitzeug*innen

Wie können Hinweise gegeben werden? Ist dies auch anonym möglich?
  • Betroffene, ihre Angehörigen sowie ehemalige Mitarbeitende, die ihre Geschichte einbringen oder ihre Erfahrungen teilen möchten, können sich an die zuständigen unabhängigen Ansprechpersonen des DiCV Essen wenden.
  • Informationen zu den unabhängigen Ansprechpersonen und Kontaktmöglichkeiten finden sich hier:
    https://www.caritas-duisburg.de/praevention-und-aufarbeitung/praevention/praevention 

Was passiert, wenn jemand damals etwas beobachtet, aber nicht gemeldet hat?
  • Ziel der Aufarbeitung ist es nicht, einzelne Personen pauschal zu verurteilen. Vielmehr soll nachvollzogen werden, welche Strukturen und Umgangsweisen Gewalt ermöglicht oder nicht verhindert haben.
  • Viele Menschen erinnern sich unterschiedlich an diese Zeit oder fragen sich bis heute, wie mit bestimmten Situationen umgegangen wurde. Hinweise, Beobachtungen und persönliche Erinnerungen können dazu beitragen, die damaligen Geschehnisse besser zu verstehen und aufzuarbeiten.

Wie werden positive Erinnerungen an die Zeit im Kinderdorf berücksichtigt?
  • Im Rahmen der Aufarbeitung haben sich Menschen mit sehr unterschiedlichen Erinnerungen und Erfahrungen gemeldet.
  • Diese unterschiedlichen Perspektiven wurden im wissenschaftlichen Prozess berücksichtigt und fachlich eingeordnet. Im Zentrum der Aufarbeitung stehen jedoch die Erfahrungen der Betroffenen von Gewalt und das Ziel, ihr Leid anzuerkennen und sichtbar zu machen.


Fragen zum Aufarbeitungsbericht

Welche Strukturen und Bedingungen haben Gewalt im ehemaligen Kinderdorf ermöglicht oder begünstigt?
  • Die Berichte zur Personalentwicklung verweisen auf eine hohe Fluktuation des Erziehungspersonals, die möglicherweise zu einer Konzentration problematischer Mitarbeitender in einzelnen Häusern beigetragen hat. Darüber hinaus waren Hausleitungen und Erziehungspersonal vielfach überfordert, während zugleich ein ausgeprägter Mangel an qualifiziertem Fachpersonal bestand. Der Umstand, dass in bestimmten Situationen auf Schülerinnen im Ausbildungsverhältnis oder auf ältere Heimkinder zurückgegriffen wurde, verlieh der Gruppenleiterin bzw. dem Gruppenleiter eine enorme Machtfülle. Außerdem war die Einrichtung „Maria in der Drucht“ räumlich wie sozial in erheblichem Maße von der Außenwelt abgeschirmt.
Quellen: Berichtsteil 2: Interviewstudie, S. 62-63; Berichtsteil 1: Archivrecherche, S. 55
  • Erschwerend kam hinzu, dass das Kinderdorf jahrelang von Priestern geleitet wurde, die selbst Beschuldigte sind. Priester genossen in „Maria in der Drucht“ eine herausragende Stellung. Sie galten als „Väter“ der Einrichtung und wurden entsprechend auch verehrt. Der Bericht verweist in diesem Zusammenhang auf die besondere Stellung von Priestern für Gläubige: Für viele sei kaum vorstellbar gewesen, dass ein Priester Missbrauch begehen könne. In einem Kinderheim wie „Maria in der Drucht“ war dieses asymmetrische Beziehungsverhältnis noch stärker ausgeprägt, da der Priester auch als Vater der gesamten Heimgemeinschaft angesehen wurde und nicht nur in religiösen Fragen, sondern in allen Problemlagen die dominante Persönlichkeit war. Es ist davon auszugehen, dass das Verhalten der Priester implizit Maßstäbe setzte und somit zu einem Klima beitrug, das Gewalt begünstigte.
Quellen: Berichtsteil 2: Interviewstudie, S. 61; Berichtsteil 1: Archivrecherche, S. 53-54 Wie viele Betroffene und Täter*innen sind bekannt?
  • Die der Studie zugrunde liegenden Daten weisen auf mindestens 32 beschuldigte Personen sowie auf mindestens 38 Betroffene hin.
  • Beide Zahlen sind laut Studie als Untergrenze zu verstehen.
Quellen: Berichtsteil 2: Interviewstudie, S. 10, 13 Welche Formen von Missbrauch und Gewalt wurden festgestellt?
  • Die Interviewstudie schildert sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt, die vielfach ausgeübt wurde.
  • Sexualisierte Gewalt wurde von 25 Betroffenen geschildert und betraf sowohl Mädchen als auch Jungen.
  • Die zusätzlich geschilderten Formen körperlicher Gewalt reichten von regelmäßigen Schlägen mit Händen und Gegenständen bis hin zu schweren Misshandlungen.
  • Psychische Gewalt äußerte sich in systematischer Erniedrigung und Einschüchterung. Verbale Herabsetzungen durch das Erziehungspersonal, soziale Ausgrenzung sowie Bloßstellung vor anderen Kindern waren an der Tagesordnung.
Quellen: Berichtsteil 2: Interviewstudie, S. 34-35, 60 Der Bericht zeigt, dass Gewalt nicht nur im Verborgenen stattfand und auch Personen außerhalb des Kinderdorfs an sexualisierter Gewalt beteiligt waren. Wie kann es sein, dass verantwortliche Institutionen nichts wussten und nicht eingegriffen haben?
  • Viele Betroffene fragen sich seit Jahrzehnten, warum niemand eingegriffen hat und wer von der Gewalt wusste. Dass diese Fragen bis heute offen sind, kann sehr belastend sein.
  • Der Bericht zeigt, dass Gewalt nicht ausschließlich im Verborgenen stattfand: Mehrere Betroffene berichteten, dass Mitarbeitende Gewalt wahrnahmen, ohne einzugreifen; einzelne Gewalthandlungen erfolgten zudem in Abstimmung mit anderen.
  • Warum niemand eingriff, lässt sich aus heutiger Sicht und auf Basis der Untersuchungen nicht abschließend erklären. Auch lässt sich nicht abschließend klären, wer damals von den Vorfällen wusste.
  • Umso wichtiger ist es für die Caritas Duisburg, Verantwortung zu übernehmen und aus den dokumentierten Fehlern und dem institutionellen Versagen konkrete und überprüfbare Konsequenzen zu ziehen. Seit der Neuausrichtung des Aufarbeitungsprozesses im Frühjahr 2025 hat der Verband erste Schritte eingeleitet, um dies umzusetzen. Der nun vorliegende Bericht ist die verbindliche Grundlage, diesen Weg konsequent fortzusetzen.
Wie wird mit unterschiedlichen oder widersprüchlichen Erinnerungen und Erfahrungen ehemaliger Bewohner*innen umgegangen?
  • Im ehemaligen Kinderdorf gab es sowohl positive als auch negative Erfahrungen. Das relativiert jedoch das Leid der Betroffenen in keinem Maße.
  • Ein wesentlicher Erklärungsansatz für die Divergenz der Erfahrungen liegt in der räumlichen und sozialen Struktur der Einrichtung. Das Kinderdorf bestand aus mehreren, baulich nicht miteinander verbundenen Häusern und das Leben im Kinderdorf war stark auf das jeweilige Haus ausgerichtet. So liegt es nahe, dass Kinder in unterschiedlichen Häusern ganz unterschiedliche Erfahrungen machten. Zugleich zeigen Schilderungen, dass ehemalige Heimkinder voneinander abweichende Erinnerungen an dieselben Personen haben. Dies ist kein Zeichen mangelnder Glaubwürdigkeit – es entspricht vielmehr den gesicherten Erkenntnissen der Forschung zu institutionellem Missbrauch. Täter*innen in institutionellen Kontexten zeigen ihr übergriffiges oder gewalttätiges Verhalten oft ausschließlich gegenüber den von ihnen ausgewählten Opfern und wahren dabei gegenüber anderen Personen bewusst das Bild einer engagierten, sympathischen und besonders vertrauenswürdigen Person.
Quelle: Berichtsteil 2: Interviewstudie, S. 64-65 Wie wurden Betroffene in die Aufarbeitung eingebunden?
  • 2023 begann ein Austausch mit Betroffenen. Im April 2025 wurde ein Begleitgremium eingerichtet, über das die Beteiligung Betroffener am weiteren Aufarbeitungsprozess organisiert wurde. Das Begleitgremium diente dem Austausch über den Stand der Aufarbeitung, der Beratung geplanter Verfahrensschritte sowie der Einbringung von Rückmeldungen und Anregungen. Die Betroffenen, die Interesse an der laufenden Aufarbeitung bekundet hatten, aber an den Sitzungen nicht teilnehmen konnten oder wollten, wurden fortlaufend über den weiteren Verlauf informiert. Es war ihnen freigestellt, zu gegebener Zeit dennoch als Mitglied des Begleitgremiums an den Sitzungen teilzunehmen.
  • Die Interviewstudie stellte sicher, dass die Perspektiven der Betroffenen systematisch in die wissenschaftliche Aufarbeitung einflossen.
  • Zudem wurde im März 2026 eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen Kinderdorfs aufgestellt, die gemeinsam mit Betroffenen entwickelt wurde.
Quellen: Berichtsteil 3: Analyse des Aufarbeitungsprozesses, S. 18, 34 Wie kann es sein, dass Hinweise auf sexualisierte und körperliche Gewalt im ehemaligen Kinderdorf beim Verband eingingen, ohne dass dies zu einer Aufarbeitung geführt hat?
  • Die Caritas Duisburg war nach den Feststellungen des Berichts spätestens seit einem Zeitungsbericht im Jahr 2009 mit Hinweisen auf Gewalt- und Unrechtserfahrungen ehemaliger Bewohner*innen konfrontiert. Aus den ausgewerteten Unterlagen ergibt sich, dass der Verband die jeweiligen Vorgänge, bei denen Hinweise bekannt wurden, verwaltungsmäßig als Einzelfälle erfasste und bearbeitete. Eine fallübergreifende Prüfung der zugrunde liegenden Gewaltvorwürfe ist nicht zu erkennen. Die Fälle wurden weder zu einem Lagebild verbunden noch als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der Gewaltgeschichte des Kinderdorfes genutzt. Dass es keine Strukturen gab, die die an verschiedenen Stellen vorliegenden Hinweise zusammengeführt hätten, ist ein klares Versäumnis des Verbandes.
  • Besonders schwer wiegt außerdem, dass der Verband 2019 vom Bistum über sechs bekannte Fälle und über den dringenden Aufarbeitungsbedarf informiert wurde, ohne anschließend die notwendigen konkreten Schritte einzuleiten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte eine systematische und unabhängige Aufarbeitung beginnen müssen. Dass dies nicht geschah, war ein schwerer Fehler, für den die Caritas Duisburg die Verantwortung trägt.
Quellen: Berichtsteil 3: Analyse des Aufarbeitungsprozesses, S. 13, 43 Wie bewertet die Caritas Duisburg die Geschehnisse?
  • Der Bericht dokumentiert schweres Unrecht sowie gravierende und tiefgreifende Gewalt im ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“.
  • Die Betroffenen haben Gewalt, Demütigung und Vernachlässigung erfahren, obwohl sie Schutz und Fürsorge hätten erhalten müssen. Der Verband hat sie nicht ausreichend geschützt und unterstützt. Hinweisen wurde über Jahre hinweg nicht angemessen nachgegangen. Eine unabhängige Aufarbeitung wurde zu spät eingeleitet. Dafür trägt die Caritas Duisburg die Verantwortung.
Welche Konsequenzen zieht die Caritas Duisburg aus dem Bericht, insbesondere bzgl. der heutigen Strukturen, die eine Aufarbeitung so lange verzögert haben?
  • Seit der Neuausrichtung des Aufarbeitungsprozesses im Frühjahr 2025 hat die Caritas Duisburg erste Schritte eingeleitet, um aus den dokumentierten Versäumnissen verbindliche Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehören die Überarbeitung des Schutzkonzeptes sowie Verbesserungen bei der Ablage und Dokumentation von Fällen in den Diensten und Einrichtungen des Verbandes. Auch für das St. Barbara Kinderheim und das Schifferkinderheim, die weiterhin in der Trägerschaft der Caritas Duisburg sind, wurden Aufarbeitungsprozesse eingeleitet.
  • Der Bericht ist die verbindliche Grundlage, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Die Caritas Duisburg wird die Ergebnisse und Empfehlungen des Berichts sorgfältig auswerten, daraus konkrete Maßnahmen und Zuständigkeiten ableiten und transparent über den Stand der Umsetzung informieren.
Warum mussten erst die Betroffenen und die Medien Druck ausüben, damit die Aufarbeitung voranging?
  • Die Caritas Duisburg wurde im Jahr 2019 vom Bistum über sechs bekannte Fälle informiert, ohne anschließend die notwendigen konkreten Schritte einzuleiten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte eine systematische und unabhängige Aufarbeitung beginnen müssen. Dass dies nicht geschah, war ein schwerer Fehler, für den die Caritas Duisburg die Verantwortung trägt.
Quelle: Berichtsteil 3: Analyse des Aufarbeitungsprozesses, S. 44-45

Presse

Welche Verantwortung übernimmt die Caritas Duisburg heute?
  • Betroffene haben Gewalt, Demütigung und Vernachlässigung erfahren, obwohl sie Schutz und Fürsorge hätten erhalten müssen. Der Verband hat sie nicht ausreichend geschützt und unterstützt. Hinweisen wurde über Jahre hinweg nicht angemessen nachgegangen. Eine unabhängige Aufarbeitung wurde zu spät eingeleitet. Dafür trägt die Caritas Duisburg die Verantwortung.
  • Verantwortung zu übernehmen bedeutet für die Caritas Duisburg, aus den dokumentierten Fehlern und dem institutionellen Versagen konkrete und überprüfbare Konsequenzen zu ziehen. Seit der Neuausrichtung des Aufarbeitungsprozesses im Frühjahr 2025 hat der Verband erste Schritte eingeleitet, um dies umzusetzen. Dazu gehören die Überarbeitung des Schutzkonzeptes sowie Verbesserungen bei der Ablage und Dokumentation von Fällen in den Diensten und Einrichtungen des Verbandes. Auch für das St. Barbara Kinderheim und das Schifferkinderheim, die weiterhin in der Trägerschaft der Caritas Duisburg sind, wurden Aufarbeitungsprozesse eingeleitet.
  • Der nun vorliegende Bericht ist die verbindliche Grundlage, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Der Verband wird die Ergebnisse und Empfehlungen des Berichts sorgfältig auswerten, daraus konkrete Maßnahmen und Zuständigkeiten ableiten und transparent über den Stand der Umsetzung informieren.

Viele Betroffene wünschen sich eine Gedenkstätte oder eine Erinnerungstafel. Gibt es dazu Pläne?
  • Im März 2026 wurde als erster Schritt der Erinnerung eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen Kinderdorfs „Maria in der Drucht“ aufgestellt. Standort und Text wurden gemeinsam mit Betroffenen entwickelt.
  • Nach der Veröffentlichung des Berichts will die Caritas Duisburg eine aktive Erinnerungskultur weiter vorantreiben. Gemeinsam mit Betroffenen wird geprüft, welche Maßnahmen dafür geeignet sind.

Was passiert bei möglichen strafrechtlich relevanten Sachverhalten?
  • Sollten sich im Rahmen der Aufarbeitung Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben, werden diese an die zuständigen Ermittlungsbehörden weitergeleitet.
  • Dabei handeln wir konsequent nach den gesetzlichen Vorgaben und unseren verbindlichen Verfahren.



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