„Maria in der Drucht“ – die Aufarbeitung
Die Caritas Duisburg arbeitet seit 2025 in einem strukturierten, wissenschaftlichen und extern begleiteten Prozess Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“ auf. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Betroffenen, deren Leid lange Zeit nicht ausreichend gehört wurde. Ein direkter Austausch mit Betroffenen begann 2023. Wesentlich waren bereits zu diesem Zeitpunkt Gespräche mit einem Betroffenen im Februar 2023, auf dessen Initiative weitere Betroffene hinzukamen. Im Sommer 2024 wurde eine Archivrecherche beauftragt, 2025 eine Interviewstudie mit Betroffenen, die durch einen öffentlichen Aufruf bekannt gemacht wurde.
Während die Aufarbeitung vorangeht, melden sich auch ehemalige Bewohner*innen des Kinderdorfs, die ihre Zeit dort unterschiedlich erinnern. Diese Rückmeldungen werden im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung berücksichtigt und fachlich eingeordnet. Im Zentrum des Aufarbeitungsprozesses stehen die Berichte und Erfahrungen der Betroffenen, deren Leid anerkannt und sichtbar gemacht werden soll.
Die Aufarbeitung bezieht sich auf Vorfälle im Zeitraum 1946 bis 1983. Das entspricht der Zeit, in der die Caritas Duisburg Träger der Einrichtung war.
Die Einrichtung „Maria in der Drucht“ wurde 1946 durch den Caritasverband Duisburg zunächst als Krankenwohlfahrtsstätte für Flüchtlinge gegründet. Im Jahr 1950 erfolgte die Umwandlung in ein Kinderdorf. In den folgenden Jahren wurde die Einrichtung kontinuierlich erweitert. Sie umfasste unter anderem ein Säuglingsheim, mehrere Mädchen- und Jungenhäuser, einen Kindergarten sowie eine städtische Grundschule. Zu Spitzenzeiten lebten dort vermutlich zwischen 160 und 200 Kinder. Im Jahr 1983 wurde das Kinderdorf aufgrund rückläufiger Belegungszahlen geschlossen, viele der Gebäude wurden abgerissen. Auf dem Gelände entstand u. a. eine neue Einrichtung der Eingliederungshilfe der Caritas Duisburg.