Aufarbeitungsbericht zeigt Ausmaß der Gewalt im ehemaligen Duisburger Kinderdorf „Maria in der Drucht“
Die Caritas Duisburg hat den Zeitraum von 1946 bis 1983 wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Der Bericht umfasst drei Teile: eine historische Archivrecherche, eine wissenschaftliche Interviewstudie mit Betroffenen und Zeitzeug*innen sowie eine ergänzende kritisch-reflexive Analyse des bisherigen Aufarbeitungsprozesses der Caritas Duisburg.
Die wissenschaftliche Archivrecherche erfolgte durch Prof. Dr. Andreas Henkelmann (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen). Die wissenschaftliche Interviewstudie wurde von einem Forschungsteam der Universität Ulm durchgeführt, bestehend aus Prof. Dr. Manuela Dudeck, Dr. Judith Streb und Dr. Laura Rinser. Die ergänzende Analyse der Aufarbeitung erarbeitete die Kölner Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen.
Die Ergebnisse im Überblick:
Historische Archivrecherche:
Die historische Archivrecherche identifizierte strukturelle Bedingungen, die Gewalt und Missbrauch begünstigten. Dazu zählten unter anderem Personalmangel, eine hohe Fluktuation, teilweise mangelnde Qualifikation der Mitarbeitenden sowie komplexe und zum Teil ungeklärte Verantwortungs- und Leitungsstrukturen.
Berichte von Betroffenen und Zeitzeug*innen:
Die der Studie zugrunde liegenden Daten weisen auf mindestens 32 beschuldigte Personen sowie mindestens 38 Betroffene hin. Beide Zahlen sind laut Studie als Untergrenze zu verstehen. Beschrieben werden sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt, die im ehemaligen Kinderdorf vielfach und wiederholt ausgeübt wurde.
Institutionelle Versäumnisse bei der Aufarbeitung:
Die ergänzende Analyse zeigt, dass Hinweise auf Gewalt über Jahre als Einzelfälle erfasst und bearbeitet wurden. Eine fallübergreifende Prüfung der zugrunde liegenden Gewaltvorwürfe ist nicht zu erkennen.
Mit der Veröffentlichung übernimmt die Caritas Duisburg Verantwortung für das dokumentierte institutionelle Versagen. Seit der Neuausrichtung des Aufarbeitungsprozesses im Frühjahr 2025 wurden erste Schritte eingeleitet. Dazu gehören die Überarbeitung des Schutzkonzeptes sowie Verbesserungen bei Ablage und Dokumentation. Auch für das St. Barbara Kinderheim und das Schifferkinderheim wurden Aufarbeitungsprozesse eingeleitet.
Die Verantwortung der Caritas Duisburg endet nicht mit der Veröffentlichung dieses Berichts. Die Ergebnisse und Empfehlungen sollen ausgewertet, daraus konkrete Maßnahmen und Zuständigkeiten abgeleitet und transparent über deren Umsetzung informiert werden.
Den vollständigen Aufarbeitungsbericht und weitere Informationen zur Aufarbeitung finden Sie HIER